Seismographische Studie_2012

Womit vermag die Kunst zu dienen, ist eine Frage, die mich in meinen Arbeiten wiederkehrend beschäftigt. Oftmals wird der Künstler, die Künstlerin als Seismograph der Gesellschaft betitelt. Was kann das bedeuten? Und was kann dies im pragmatischsten Verständnis des Satzes bedeuten? Dieser gesellschaftlich-funktionalen Zuschreibung bin ich in meiner Arbeit „Seismographische Studie_2012“ nachgegangen. Ich habe Fahrten in öffentlichen Linzer Verkehrsmitteln aufgezeichnet, in dem Bestreben, den Kleinstbewegungen und Erschütterungen eines Körpers auf Reisen nachzuspüren und diese seismographisch festzuhalten. Zum einen, um einer Entromantisierung des Reisens nachzugehen, zum anderen, um die existenten Fahrpläne näher an die Wirklichkeit der Fortbewegung heranzuführen. Und schliesslich, um die dem Künstler, der Künstlerin innerhalb der Gesellschaft zugeschriebene Rolle zu prüfen. Die Zeichnungen sind als Gruppe mit Hilfe von Steckschwämmen so gehängt, dass sie einen unterschiedlichen Abstand zur Wand aufweisen und sich minimal, dem aufzeichnenden wahrnehmenden Körper gleich, bewegen können. Die unterschiedlich grossen grauen Kuben der Steckschwämme wiederum symbolisieren eine Stadtansicht aus der Vogelperspektive, da die bauliche Erschliessung eines Gebietes immer erst die Grundvoraussetzung für die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel ist.

Zeichnung, Tusche auf Papier, 21cm x 30cm, seismographische Aufzeichnungen in öffentlichen Verkehr, artist: Franziska King
2012_Seismo_19 Hauptbahnhof-Dinghoferstrasse_21x29,7